Foto: Alfa Romeo
Faszination zwischen Tradition und Moderne
Inspiriert von einem nahezu unerschöpflichen Fundus aus fast 100 Jahren Firmengeschichte setzen die Kompaktlimousine Alfa 147 und das familientaugliche Coupé Alfa GT Glanzlichter im zeitgenössischen Automobildesign. Auf betont italienische Weise gelingt es den Designern des Centro Stile Alfa Romeo immer wieder, historische Zitate klassischer Alfa Romeo in einem modernen Kontext neu zu interpretieren. Es ist dieses Spannungsfeld zwischen Vergangenheit und Zukunft, das den speziellen Reiz von Alfa 147 und Alfa GT begründet.
Bei Alfa Romeo ist das Design stets Ausdruck der automobilen Persönlichkeit. Dabei folgt die Mailänder Avantgarde-Marke keinen kurzfristigen Modeströmungen, sondern integriert starke Elemente aus der Markenhistorie in ein hochmodernes Gesamtkonzept. Die Gefahr eines vordergründigen Retro-Designs ist so von vornherein ausgeschlossen. Viel lieber ließen und lassen Alfa Romeo-Chefdesigner wie Walter de Silva, Andreas Zapatinas, Wolfgang Egger und Frank Stephenson (seit 2007) in betont progressiver Gesamtanmutung Historie, Gegenwart und Zukunft zu einer neuen Designaussage verschmelzen.
Klare Ansprache: Ein Dreigestirn formt jedes Alfa-Gesicht
Ob Alfa 156, Alfa 159, Alfa 166, Alfa 147, Alfa GTV, Alfa Brera, Alfa Spider oder Alfa GT – eine Design-Konstante verbindet alle Alfa Romeo: Das Dreigestirn aus dem wappenförmigen Kühlerschild, dem „Scudetto“, und den beiden flankierenden Schnauzbärtchen, den „Baffi“. Diese klassischen Elemente bilden das typische Alfa-Gesicht, wobei dem Alfa 147 das Verdienst gebührt, das „Schildchen“ deutlich steiler und dominanter zu tragen als noch seine Vorgänger Alfa 145/Alfa 146. Damit knüpft er zugleich an Vorbilder aus den 50er Jahren an, ganz speziell an den Alfa 1900 Sprint von 1951, der ihm wie aus dem Gesicht geschnitten scheint.
Ergänzt wird dieses Triptychon durch den „Kometen“ – jene leichte Wölbung auf der Motorhaube, die nach längerer Abstinenz beim Alfa 156 eine Renaissance erlebte und dem aus Schlange und Kreuz bestehendem Markenemblem wie ein Komet folgt.
Foto: Alfa Romeo
Alfa 147: Der Carving-Ski unter den Kompakten
Der Alfa 147 ist die erfolgreichste Baureihe innerhalb der Alfa Romeo-Palette. Mit zahlreichen Design-Preisen bedacht, gibt sich dieser „Carving-Ski“ unter den Kompakten dank einer zwischenzeitlichen Modellpflege heute so begehrlich wie eh und je. In seiner jüngsten Version trägt er neben gestreckteren Hauptscheinwerfern mit drei kreisförmigen Einzelelementen auch einen vergrößerten und komplett verchromten Kühlergrill.
Eine historische Parallele verbindet das „Auto des Jahres 2001“ mit dem für seine Zeit extrem progressiven „Villa d'Este“ von 1949. Bei diesem Alfa 6C 2500-Modell mit Karosserie von Touring aus Mailand umliefen am hinteren Ende der Motorhaube startende Linien in betörender Krümmung die Scheinwerfer. Beim Alfa 147 gehen ganz ähnliche Linien von den A-Säulen aus, um danach auf der Haube eine deutliche V-Kontur mit kraftvoller Wölbung in der Mitte zu bilden.
Beim Fünftürer sind die hinteren Türgriffe geschickt getarnt
Auch das Seitenprofil des Alfa 147 glänzt mit Proportionen und Oberflächen, die nur zu einem Alfa Romeo gehören können. Eine geniale optische Täuschung bewirken die nach dem Vorbild des Alfa 156 in die dunkel gehaltenen C-Säulen integrierten hinteren Türgriffe. So wirkt der Fünftürer keinen Deut weniger dynamisch als der Dreitürer.
Beide verbindet das keilförmige Profil mit leichtem Hüftschwung, ungewöhnliche lange Türen, das schon vor der B-Säule leicht abfallende Dach und die zwischen den ausgestellten Radhäusern gespannte Lichtkante. Genau auf den Muskelstrang platziert haben die Designer einen Bügeltürgriff aus massivem Aluminium – ein besonderer Blickfang fürs Auge.
V-förmig zugespitztes Heckfenster sorgt für visuellen Schub
Die markanten C-Säulen stützen sich auf die kräftig gespannten Flächen der Gürtellinie und das Heck endet in einem extrem kurzen Überhang mit V-förmigem, fünfeckigem Fenster. Dieses schon beim Vorgänger Alfa 145 eingesetzte Stilmittel sorgt für einen visuellen Vorwärtsschub. Die Heckleuchten stehen schräg und rezitieren exakt die vorderen Leuchteinheiten.
Mit italienischem Chic hebt sich der Alfa 147 wohltuend aus der Masse der Mitbewerber heraus. Das trifft in mindestens gleicher Weise auf den Alfa GT zu. Auch wenn das Coupé mit Platz für bis zu fünf Personen eine ganz andere Zielgruppe avisiert, sind Alfa GT und Alfa 147 „Brüder im Geiste“. Bei beiden liegt die Gürtellinie vergleichsweise hoch, weil der Fahrzeugkorpus, sprich der Blechanteil, im Vergleich zum knapp geschnittenen Glashaus deutlich höher ausfällt. Folge ist ein leicht niedriges seitliches Fensterband, das dafür aber besonders lang und gestreckt ausfällt.
Alfa GT: Die moderne Inkarnation des Bertone „Sprint“
Der Alfa GT bezieht seine spezielle Aura aus den vom Turiner Designstudio Bertone zugesteuerten Genen. Denn mit diesem Projekt knüpfte das Centro Stile Alfa Romeo an jene Blütezeit an, in der Bertone im Auftrag von Alfa Romeo so zeitlose Klassiker wie den Alfa Giulia Sprint GT von 1963 zeichnete. Noch heute ist dieses Modell unter Alfisti schlicht als „Bertone“ bekannt.
Die Wiedergeburt des klassischen Gran Turismo
So feiert der Alfa GT die Wiedergeburt des klassischen Sprint, ein Gran Turismo vom Scheitel bis zur Sohle. Mit tief sitzendem Dach und niedrigen Seitenscheiben, abgewinkelten C-Säulen und dem alfatypischen, halbmondförmigen Heckfenster, das den Glasdom der Giulietta Sprint zitiert. Der Gesamteindruck ist extrem sportlich, alle Linien steigen nach hinten an und fließen am Heck zusammen. Der lange Radstand und die breite Spur bewirken ein Übriges, lassen den Alfa GT sprungbereit auf dem Asphalt kauern.
Auch an der Frontpartie dominiert der hier betont V-förmig geformte Kühlerschild. Im unteren Bereich zieht er den Stoßfänger quasi mit sich; mit feinen Chromzierstreifen schön akzentuiert schließen sich seitlich die nach viel Frischluft gierenden „Baffi“ an.
Unzerklüftetes Heck mit geschickt kaschierter Hecktür
Sehr geschickt kaschierten die Alfa-Designer die große hintere Heckklappe des GT. Hinter der sich – man höre und staune – ein 320 Liter großer Kofferraum verbirgt. Überhaupt ist die Heckpartie extrem aufgeräumt und unzerklüftet. Die sehr schmalen, einteiligen Heckleuchten setzen die stärksten Akzente und sind kleine Kunstwerke für sich. Pfeilförmig „ums Eck“ hin auslaufend, leiten sie direkt in die für Alfa so charakteristischen Lichtkanten über. Effekt: Wie beim Alfa 147 eine Beschleunigung der Silhouette.
Insgesamt gibt sich der Alfa GT wohltuend klar und ungekünstelt. Es dominieren große, homogene Flächen. Mit dem Einsatz von Lichtkanten und Sicken gingen die Designer bewusst sparsam um. Doch dort, wo sie Flächen auf diese Weise gliedern und spannen – wie im Bereich der Türen, geschieht dies auf unnachahmliche Weise.
Es ist das Wissen um die kleinen Geheimnisse guten Designs und die spezielle „Italianità“ im Wesen, die Alfa GT und Alfa 147 zu besonderer Ausstrahlung verhelfen Mit ihrer unbemühten Dynamik, dem lässigen Understatement und ihrer zeitlosen Eleganz sind sie schon heute Design-Ikonen der Marke und Klassiker des Automobildesigns schlechthin.
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